Sieg an der Zillertal-Bikechallenge

Nach der eher enttäuschenden WM in Kirchberg wollte ich eine knappe Woche später am dreitägigen Etappenrennen im Zillertal nochmals meine starke Form ausspielen.

Ich reiste bereits am Sonntag nach der WM direkt ins Zillertal, um mir den weiten Weg nach Hause und wieder zurück zu ersparen. Im Gebäck ein vollgestopftes Auto mit Ersatzmaterial, meinem Bruder und Mäsä. Bis zum Start am Freitag hatte ich genug Zeit, um etwas zu relaxen und ein paar gute Trainings zu absolvieren.

 

erste Etappe:

72km, 3150hm, 3.02h, 1. Rang

Die Woche war wieder einmal schneller vorbei als es mir lieb war und so stand ich am Freitag um 9 Uhr an der Startlinie. Mit dem ganzen Centurion Team, unteranderem dem Deutschen Meister Markus Kaufmann und Konny Looser vom WHEELER iXS Pro Team standen ein paar starke Fahrer am Start.

Im ersten Aufstieg kam ich eigentlich gut mit der Spitzengruppe mit und es reichte noch für einen Schwatz mit Kaufmann. So fuhren wir gemeinsam in den letzten Berg mit 1500hm. Ich hatte ein gutes Gefühl und kam schnell voran und einer nach dem anderen musste unter dem Tempodiktat von Kaufmann abreisen lassen. So fuhren wir gemeinsam den Berg hoch, doch auch ich konnte dem Tempo nicht mehr ganz folgen und handelte mir rund 30sec. Rückstand ein. Doch ich wusste, dass ich in der Abfahrt dieses Loch wieder schließen kann und tatsächlich als wir unten ankamen, war ich wieder am Hinterrad. Nun ging es Richtung Ziel und es kam zum Sprint, welchen ich um Haaresbreite gewinnen konnte.  Ich war überglücklich und konnte mir ein erstes Mal ein Leadertrikot überstreifen.

 

zweite Etappe:

52km, 2000hm, 2.07h, 1. Rang

Weil es noch zu viel Schnee in den höheren Regionen hatte, musste die Etappe etwas gekürzt werden. Es stand ein langer Berg mit anschließender Fläche von 10km auf dem Programm. Ich fühlte mich an diesem Tag nicht so wirklich fit und hatte zwischenzeitlich etwas Mühe dem Tempo von Kaufmann, Käss und Geismayr zu folgen. Kurz vor dem Bergpreis kam eine kleine steile Rampe und dort forcierte ich das  erste Mal mein Tempo ein wenig, so konnte ich mich ein paar Meter absetzen und alleine in die Abfahrt gehen. Ich konnte mich danach immer mehr absetzen und als wir unten in Zell am Ziller ankamen, hatte ich einen Vorsprung von über 1.40min. Nun gab ich durch die Fläche alles, um möglichst mit viel Vorsprung ins Ziel zu kommen, denn ich wusste, dass die letzte Etappe für Kaufmann als Bergfahrer zugeschnitten war. Ich kam solo ins Ziel und hatte vom Vorsprung eigentlich nichts eingebüßt. Ich war wieder überglücklich, aber auch etwas unsicher, ob ich heute etwas zu viele Körner verbraucht hatte für die letzte Etappe???

 

dritte Etappe:

52km, 2950hm, 2.52h, 1. Rang

Dank meinem Bruder als Mechaniker und Mäse der alles Könner konnte ich mich perfekt erholen und fühlte mich besser als am Vortag. Nun wollte ich unbedingt den Gesamtsieg und war bereit alles zu geben und zu leiden. Ich wusste, dass Kaufmann mit dem starken Centurion Team ganz sicher etwas ausprobieren wird. So war es auch, in der ersten Steigung griff Geismayr an und kam weg. Mein Selbstvertrauen war so groß, dass ich mir sicher war, ihn gegen Ende wieder einzuholen. Zudem hatte ich noch mein Teamkamerad Konny Looser an meiner Seite. Leider nicht lange, da er durch einen Plattfuss gebremst wurde und dadurch viel Zeit verlor. So fuhren wir in einem humanen Tempo Richtung Bergpreis. Dann kam die Attacke von Kaufmann, ich zog gleich hinterher und konnte mich am Hinterrad festkrallen. Durch diese Attacke zerriss es die Spitzengruppe völlig und es konnte nur noch Käss wieder aufschließen. So fuhren wir gemeinsam über den ersten Berg und inzwischen hatten wir Geismayr wieder eingeholt. In der Fläche nach Hintertux  schlossen noch Genze und Aernouts wieder zu uns auf. Nun stand das Dessert auf dem Programm der letzte Aufstieg zum Ziel auf über 2600M.ü.M. Ich hatte riesigen Respekt davor und wusste, dass man dort die Wertung gewinnen oder verlieren kann. Ich fühlte mich noch recht gut und fuhr mein Rhythmus bis kurz vor der Mittelstation auf 2000M.ü.M. Dort erhöhte ich ein erstes Mal das Tempo und ich war mit Kaufmann alleine unterwegs. Nun dachte ich alles oder nichts und forcierte nochmals das Tempo und tatsächlich kam ich langsam weg. Jetzt hatte ich ein solches Selbstvertrauen, dass ich es durchziehen konnte und die Ziellinie wieder als Erster überquerte. Als es geschafft war, konnte ich nicht einmal mehr stehen und brauchte ein paar Minuten, bis ich wieder auf dem Damm war. Die Freude war danach umso grösser und ich genoss den Moment richtig aus. Trotz des Leidens machte es mir Spass mit Kaufmann und den anderen starken Fahrern bis zum Schluss zu fighten. Ein grosses Kompliment an Markus, der an der ersten Etappe einen Sturz hatte und es sicherlich nicht leicht hatte mit den Wunden.

Dieser Sieg wäre niemals möglich gewesen ohne meine Betreuer. Die zwei haben ebenso hart gearbeitet wie ich und haben einen sehr großen Anteil daran. Vielen Dank Jungs, es war eine tolle Woche!!! =) 

Nun möchte ich mich noch entschuldigen, dass ich meinen Bericht erst jetzt geschrieben habe. Ich flog bereits am Montag morgen um 7 Uhr in die Ferien. Um abzuschalten und neue Energie zu tanken, ließ ich den Laptop zuhause. Ich hatte mit meiner Freundin wunderschöne Tage und bin nun wieder Mental und Physisch topfit für die zweite Saisonhälfte. Ich werde nun noch eine Woche zuhause sein bevor es für geile Biketouren ins Engadin geht.