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Momentan fällt es mir noch schwer diese Zeilen zu schreiben...

Wo soll ich nur anfangen, am Samstag stand endlich die Schweizermeisterschaft auf dem Programm mit einer würdigen Strecke von 137km und 4000 Höhenmeter. Für mich war es der Event des Jahres, ich habe mich seit anfangs Juli darauf vorbereitet. Nach dem Eiger Bike verzichtete ich auf das Grand Raid im Wallis, was ich nicht wegen der SM machte sondern es war eine persönliche Entscheidung, welche ich Anfang des Jahres gefällt habe. Ich brauchte die Zeit auch für meinen Magen, denn seit dem Montafon Marathon habe ich schwere Probleme mit dem Magen an den Rennen. Am Eiger Bike hatte ich Glück im Unglück, im letzten Anstieg auf die Kleine Scheidegg hatte es mir wie in Montafon den Magen gekehrt und ich musste erbrechen. Wie durch ein Wunder kam ich noch als dritter ins Ziel, so war ich schlussendlich sehr glücklich über diesen Rang. Ich versuchte nun das Problem auf die SM in den Griff zu bekommen, mit Akupunktur und weiteren Mitteln hatte ich das Gefühl alles im Griff zu haben.

Am Samstag war es dann soweit, ich fühlte mich gut und war Mental so stark wie noch nie zuvor. Leider konnte der amtierende Schweizermeister Urs Huber nicht am Start stehen, er brach sich am Grand Raid das Schlüsselbein. Auf diesem Weg noch gute Besserung und ich hoffe, dass er schon bald wieder am Start steht, denn es macht mehr Spass, wenn er dabei ist =) Meine Taktik für das Rennen war eigentlich einfach, bis nach Livigno (75km) Kräfte sparen und am Chaschauna Pass angreifen und voll Gas zu Ende fahren. Doch Theorie und Praktik sehen manchmal anders aus. Nun das Rennen verlief am Anfang ganz nach meinem Wunsch. Dank einem überraschenden Angriff am Anfang von meinem Team Kollegen Oli konnte ich mich gut verstecken und Kräfte sparen. So fuhren wir über die ersten zwei Berge in einer sieben köpfigen Verfolgergruppe. Ich fühlte mich nach wie vor gut und hielt an meiner Taktik fest. Kurz vor Livigno holten wir den sehr stark fahrenden Oli wieder ein, nun stand der Chaschauna Pass vor uns. Nach dem Motto steil, steiler, Chaschauna Pass, stand der härteste Berg des Tages vor uns.

 

Als wir in den Anstieg fuhren zog ich mein Tempo an und fuhr mein Rhythmus so, dass ich bis oben durchziehen könnte. Ich konnte schnell ein paar Meter zwischen mich und meinen Verfolger bringen. Jetzt hieß es für mich einfach Rhythmus fahren und durchziehen, leider habe ich die Rechnung ohne meinen Magen gemacht. Schon bald hatte ich ein komisches Gefühl im Magen und kleine Bauchkrämpfe. Ich nahm sofort etwas Tempo raus und lies Markus Kaufmann, Jochen Käss und Samuele Porro ziehen und nahm das Hinterrad von meinem Teamkollege Konny. Mir wurde es immer schlechter, die Bauchkrämpfe nahmen zu und ich war kurz vor dem Erbrechen. Doch es ging schließlich um den Titel und so kämpfe ich mich nach oben, was für mich eine neue Grenzerfahrung war. Die Übelkeit nahm immer mehr zu und so lies ich Konny ziehen. In der Abfahrt konnte ich erstaunlicherweise wieder zu ihm aufschließen und so nahmen wir die letzten verhältnismäßig flachen 50km in angriff. Nur dank dem gemütlichen Tempo konnte ich mit Konny mitfahren, ich gab aber noch nicht auf.

 Kurz vor dem letzten kleinen Anstieg holten uns Oli und Stutzmann ein und wir nahmen die kleine Steigung nach Guarda in angriff. „Läck bobby“ habe ich gelitten, Übelkeit, Bauchkrämpfe und durch das wenige Trinken nun auch noch Beinkrämpfe, trotzdem lies ich mir möglichst nichts anmerken. Dann 15km vor dem Ziel griff Konny an und sprengte die Gruppe, ich konnte keinen Millimeter reagieren, aber trotzdem gab ich noch nicht auf. Ich versuchte nochmals alles um zu Konny aufzuschließen, doch als ich Oli einholte, war ich wieder kurz vor dem Erbrechen, das war endgültig zu viel für mich und meinen Körper. Ich musste Tempo rausnehmen und mir eingestehen, dass ich mehr als hinüber war. So fuhr ich alleine und völlig entkräftet dem Ziel entgegen und wurde vierter (Overall 7.). Zur Freude des Teams wurde Konny Schweizermeister und Oli holte Bronze. Ich gönne allen drei die Medaillen, sie haben sie sich verdient, sie waren ganz einfach stärker als ich. Eigentlich sind alles Sieger die am Samstag ins Ziel kamen. Was mich angeht, ich war sehr enttäuscht und muss das nun verarbeiten. Schließlich war ich angereist um den Titel zu holen und nun wurde ich von mir selbst ausgebremst. Eigentlich bin ich selber schuld, vielleicht hätte ich doch noch zum Arzt gehen sollen um das Problem abzuklären, aber ich war so überzeugt von mir, dass es gehen würde. Vielen Dank an die Betreuer, welche einen super Job gemacht haben (bestsupportteamever) und meinem Ausrüster BiXS und Sponsoren, welche mich immer super unterstützen.

 

Ich ziehe nun die Notbremse und werde an der O-Tour nur an den Start gehen, wenn ich die Ursache für die Probleme gefunden habe. Ich bin der Meinung, dass die Gesundheit vor dem Sport kommt und ehrlich gesagt macht es mir keinen Spass Rennen zu fahren.

 

 

Danke an alle, die mitgefiebert haben, ihr seid die BESTEN!!!!